Bremsen überholen - zumindest erst einmal öffnen

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exothermic
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Bremsen überholen - zumindest erst einmal öffnen

Beitrag von exothermic » 26.08.2019 15:12

Eigentlich wollte ich einen aus Familienkreisen erhaltenen 28H 1-1 in Ruhe überholen und mich dann im Winter über die Hinterachse hermachen, aber ich muss umdisponieren.

Bisher habe ich die Räder beim Abschmieren immer dran gelassen (Faulheit und Zeitmangel meinerseits :oops: ).
Heute wollte ich für die letzte längere Fahrt für dieses Jahr Udo noch einmal abschmieren und alles warten, dabei fiel mir auf, dass die Felgen vorne links und hinten rechts recht warm waren (ich war vorher einkaufen).
Also Udo aufgebockt und die Räder abgenommen, um mal nach dem rechten (und linken :wink: ) zu sehen. Ernüchterung stellte sich gleich ein, denn dahinter sah alles ganz schön rostig aus - und der Rost war nicht nur von den Monaten in meinem Besitz, der ist deutlich älter und an allen Teilen.

Vor der Rostentfernung wollte ich die Trommeln erst einmal abnehmen, um den Zustand der Bremszylinder und der Beläge zu inspizieren, doch hier kam gleich die nächste Enttäuschung. Irgendein Hanswurst, der noch weniger Ahnung von Technik als ich hat, hat hier bereits rumgepfuscht!
Die Senkkopfschrauben (M6) zur Sicherung der Bremstrommeln sind links vorne und links hinten zerstört. Hinten rechts ist der Schlitz der Schraube unbrauchbar , weshalb anscheinend ein Loch gebohrt und mit einem Linksausdreher versucht wurde, die Schraube zu lösen - die Spitze des Linksausdrehers (oder doch die des Bohrers?) steckt gar noch in der Schraube! :shock: Vorne links sieht es ähnlich aus: Loch in der Schraube, aber zumindest keine abgebrochene Spitze. Hinten rechts ist die Schraube intakt, lässt sich aber nicht lösen. Vorne links lässt sie sich lösen, juhuuuu, aber die Bremstrommel bewegt sich keinen einzigen Millimeter.

Kurzum: Ich muss die Bremsen komplett überholen, zuvor aber erst einmal geöffnet bzw. abbekommen.
Mein Udo ist aus 02/88, also müssten zylindrische Achsstümpfe verbaut sein (angenommen da wurde nichts umgebaut) , korrekt? Hinten sind es Achsmuttern SW36, gesichert mit einem Sicherungsblech und vorne Muttern SW30 ohne Sicherungsblech.
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Da ich keine 36er Nuss habe (noch nicht) und ich die Muttern der VA nicht abbekomme (festgegammelt), würde ich zum Lösen der Muttern den Schlagschrauber der KfZ-Werkstatt um die Ecke nutzen.
Und da Trommeln, Naben usw. so fest sitzen, ich nichts unnötig zerstören mag und ich somit direkt an Udo nichts geöffnet bekomme, würde ich zur Sicherheit einen Abzieher kaufen und dann eben Trommel samt Nabe gemeinsam runterziehen. Hier wäre der Glockenabzieher für vorne und hinten passend, oder?
Wie bekomme ich im weiteren jedoch die Senkkopfschrauben raus, vor allem die hinten links mit dem abgebrochenen Linksausdreher/Bohrer, um die Trommeln von den Naben zu lösen? Die Schraube links vorne kann man sicher ausbohren und die hinten rechts würde sich bestimmt auch noch irgendwie lösen lassen, aber was ist mit der hinten links? In den Bohrer/Linksausdreher, der da drin steckt, kann ich ja nicht wirklich reinbohren.

Langer Text und (dumme) Fragen, aber bei Bremsen mag ich nichts ohne Absicherung machen.

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duesentrieb
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Re: Bremsen überholen - zumindest erst einmal öffnen

Beitrag von duesentrieb » 26.08.2019 15:40

Hallihallo! :)

Kurz:
Die Trommen bitte auf der Nabe belassen.

Um an das Innenleben der Bremserei zu kommen braucht man letztlich nur die Muttern der Nabe selbst abzuschrauben.
Abzieher jedweder Art sind nicht zielführend.

Es macht Sinn sich robustes Werkzeug für die Muttern vorne (32 mm original, 30 mm Nachbau Muttern) und hinten (36 mm) zuzulegen.
Einmal im Jahr spätestens sollte man dort nach dem Rechten sehen.

Wenn man an die Bremse muss, dann das Fahrzeug gegen Wegrollen sichern, die Nabenkappe abnehmen, Mutter der Nabe lockern, Rad anheben, Mutter der Nabe abschrauben.
Dann das Rad mitsamt Trommel / Nabe abziehen.
Sollte es vorne nicht leicht abgehen, dann mit einem großen Hammer von innen gegen den Reifen (!) klopfen und zeitgleich das Rad etwas drehen. klopfen - drehen - ...
Wenn es hinten nicht will, das Handbremsseil etwas lockerstellen und ebenfalls mit dem Hammer innen auf den Reifen klopfen und drehen.
Unmögliches wird sofort erledigt,
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Re: Bremsen überholen - zumindest erst einmal öffnen

Beitrag von exothermic » 26.08.2019 16:31

Ebenfalls kurz (denn das kann ich ab und an auch)... :mrgreen:

Trommel wollte ich ja eh samt Nabe abnehmen und dann schauen, wie ich die beiden irgendwie möglichst ohne Schaden getrennt bekomme.
Werde deinem Rat natürlich folgen, aber wozu gibt es dann den originalen Abzieher?

Btw: Qualitativ gutes Werkzeug wird derzeit nach und nach geordert, denn wenn ich das vorhin richtig gesehen habe, ist da noch überall eine ganze Menge zu wechseln/überholen.

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Re: Bremsen überholen - zumindest erst einmal öffnen

Beitrag von duesentrieb » 26.08.2019 17:50

Die Trommeln nur von der Nabe abnehmen, wenn es zwingend notwendig ist.
So lange keine Risse und / oder grobe Riefen erkennbar sind, empfehle ich die originalen Trommeln so lange zu verwenden wie nur irgend möglich.

Abzieher braucht man um konische Radnaben vom Konus des Achsstumpfs abziehen zu können.

Gutes Gelingen! :)
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Re: Bremsen überholen - zumindest erst einmal öffnen

Beitrag von exothermic » 26.08.2019 21:46

Die originalen Teile wollte ich ohnehin weiterverwenden, wenn möglich. Von reinem Ausmustern und dem damit verbundenen Verlust von Originalen halte ich eher wenig - es werden ja leider nicht mehr Originale.

Das mit den konischen Raben ist mir soweit klar, aber wozu gibt es dann den Abzieher im WHIMS auf Bild 6.10 im Punkt 06.4.3?

Links vorne habe ich nun zumindest erst einmal die Bundmutter lösen können - die restlichen Muttern löse ich morgen bei der KfZ-Werkstatt um die Ecke...

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Re: Bremsen überholen - zumindest erst einmal öffnen

Beitrag von duesentrieb » 26.08.2019 22:07

Huch! :shock: Das hab ich so bislang noch nicht wahrgenommen.
Dieser Abzieher wird bei den frühen Naben (P50) verwendet, die noch keinen Kragen für den kleineren, mehrteiligen Abzieher haben. Der macht beim zylindrischen Achsstumpf so keinen Sinn, denn wenn die Backen sich mit der Trommel verkanten, dann würde man damit den Achsstumpf nach innen / hinten aus dem Lagersitz durchdrücken.
Zylindrische Nabe und Achsstumpf schlüpfen leicht in- auseinander.

Wegen den Trommeln noch; die Nachbau Trommeln laufen oft nicht rund.
Dann noch ein Grund Trommel und Nabe beieinander zu lassen.
Die Zentrierung ist dann hinterher nicht mehr genau so rund wie vormals.
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Re: Bremsen überholen - zumindest erst einmal öffnen

Beitrag von exothermic » 27.08.2019 15:57

Okay, jetzt verstehe ich den (Un)Sinn des Abziehers für zylindrische Naben - wieder etwas weniger dumm! :mrgreen:

Dank der 2m-Verlängerung der Werkstatt um die Ecke habe ich heute die drei verbliebenen Achsmuttern runter bekommen und dank der Tipps hier auch die Trommeln samt Naben.
Vorne war das Innenleben eigentlich recht sauber, aber hinten (links und rechts) sifft es ordentlich. Die hinteren Bremszylinder sind ein wenig undicht und dementsprechend sahen die Innereien hinten auch aus.
Die Bremsanlage habe ich rundum erst einmal weitestgehend entrostet, richtig gesäubert und (nach einigen initialen Problemchen) alles wieder zusammengebaut und...oh Wunder...die Bremse funktioniert noch/wieder! :D

Jetzt zum Frageteil...
Da die hinteren Radbremszylinder undicht sind, schleifen die Bremsbacken natürlich ein wenig. Ist es ratsam, lieber den gesamten RBZ zu tauschen oder einen Reparatursatz für den/die RBZ zu nehmen und zu hoffen, dass die Dinger damit dicht werden?
Vorne links schaut alles gut aus, aber vorne rechts sind tiefe Riefen in der Trommel und dementsprechend Erhebungen auf beiden Bremsbacken. (Alle anderen Trommeln/Backen sind schön glatt.)
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Bremsbacken.JPEG
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Wie ist das zu bewerten? Okay? Noch zu retten? Tauschfall?

Btw: Die Radlager klingen hinten links und rechts auch nicht mehr gut, die müssen bei Gelegenheit auch noch getauscht werden und einige rissige Manschetten an der HA ebenfalls, aber das muss voraussichtlich bis Ende September warten.

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Re: Bremsen überholen - zumindest erst einmal öffnen

Beitrag von duesentrieb » 27.08.2019 20:30

Die Riefen in der Trommel sehen nicht so schön aus. So lange die Bremse nicht einseitig zieht, würde ich diese weiter verwenden.
Was man machen sollte, die Kante am Außenrand der Reibfläche mit groben Schleifpapier so gut wie möglich glätten.
Wenn die Kante recht ausgeprägt ist, dann lässt sich die Trommel schlecht abnehmen.

Es schadet auch nicht von Zeit zu Zeit über die Reibfläche der Beläge zu schmirgeln um Belag-fremde Verschmutzungen und ggf. Verzunderungen zu entfernen.

Radbremszylinder wenn sabbern, dann hat meist Rost im Inneren die Manschetten der Kolben beleidigt und es empfiehlt sich die RBZ zu erneuern um langfrisig zuverlässig Freude zu haben.
Damit Kamerad Rost sich nicht so schnell wieder daran vergreifen kann, empfiehlt es sich etwas Silikonfett dort zu verteilen wo die schwarzen Gummistöpsel sitzen.
Silikonfett ist wasserabweisend und schützt somit vor Gammel.

Einmal im Jahr mach ich die Stöpsel raus, wische dort kurz durch und schmiere wieder etwas Silikonfett rein.
Somit hab ich über viele Jahre hinweg eine stets zuverlässige Bremse.
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Re: Bremsen überholen - zumindest erst einmal öffnen

Beitrag von exothermic » 28.08.2019 08:29

Fein, dann kann ich Trommel und Bremse vorerst noch nutzen, denn den leichten Linksdrall habe ich ihm mit der Säuberungsaktion austreiben können.

Wenn ich dann an der HA alles offen habe, beide RBZ und die jeweiligen Radlager ohnehin wechseln muss (Achtung, diese Aktion könnte abermals nervige Fragen beinhalten :wink: ), was könnte ich dann bei dem ganzen Brimborium provisorisch gleich mit checken/wechseln?

Danke auch für die zusätzlichen Tipps - diese sind nützlich ohne Ende und Udo wird sich freuen! 8)

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